Geben Sie Kindern die Chance,
gestärkt aus der Krise zu kommen!

Augenzeuge

Ein Unfall, eine Gewalttat, ein Suizid betrifft oft nicht nur diejenigen, die bei dem Ereignis verletzt werden oder sterben. Oft gibt es Menschen, die das Ereignis miterleben und dabei körperlich unverletzt bleiben. Doch die Bilder eines solchen Erlebnisses können die Augenzeug*innen schwer belasten. Sie brauchen dann Hilfe, um die Eindrücke zu verarbeiten.

Das Angstmonster

Joschka* bezeugt eine gewalttätige Auseinandersetzung in seiner Nachbarschaft, bei der sein älterer Bruder lebensgefährlich mit einem Schlagring verletzt wird. Er wartet bei seinem blutenden Bruder auf Hilfe, hat große Angst, dass die anderen zurückkommen und auch ihn angreifen.

Joschka entwickelt in der Folgezeit sowohl ganz konkrete als auch schwer greifbare Ängste, die den bislang fröhlichen und unternehmungslustigen Jungen stark einschränken und zunehmend isolieren. Er möchte die Wohnung nicht mehr verlassen, trifft sich kaum noch mit Freunden und hat das Gefühl, seine Mutter und seinen Bruder ständig im Auge behalten zu müssen.

Mit dem Malen des Angstmonsters bekommen die schwer greifbaren Ängste eine Gestalt. Joschka entwickelt in einem zweiten Schritt das Wissen, dass das Angstmonster aus gutem Grund entstanden ist. Das Bild wird zur Grundlage für die Arbeit an der Angst, entwickelt sich weiter, wird weniger bedrohlich und Joschka immer weniger hilflos.

Am Tag nach der gewalttätigen Auseinandersetzung wurde die Kinderstiftung von der Polizei informiert und hinzugezogen.
Insgesamt erfolgten 19 Beratungstermine in einem Zeitraum von 14 Monaten – davon 10 Akuttermine direkt nach dem Ereignis. Die Fachberaterin arbeitete mit Joschka, mit der Mutter in Elterngesprächen und in gemeinsamen Familienterminen. Zudem stand sie Joschkas Lehrerin und Horteinrichtung beratend zur Seite.

*Dieser Text ist ein Auszug aus dem Berichtsheft der AETAS Kinderstiftung. Zum Schutz der Betroffenen wurden alle Namen geändert.